ScrOG steht für „Screen of Green“ — eine Trainingsmethode, bei der ein Netz über den Pflanzen gespannt wird, um alle Triebe auf eine Ebene zu bringen. Das Ergebnis ist ein gleichmäßig belichtetes, flaches Blätterdach, das aus wenigen Pflanzen ein Maximum an Ertrag herausholt. Wer schon mal ein Zelt mit einer einzigen hohen, spärlich verzweigten Pflanze gesehen hat, weiß, wie viel ungenutzte Fläche darunter oft brachliegt — genau da setzt ScrOG an.
ScrOG eignet sich besonders für kleine Zelte, in denen wenige Pflanzen den Platz voll ausfüllen sollen. Das Netz ersetzt aufwändiges Einzel-Anbinden vieler Triebe.
Das Prinzip
Ein horizontales Netz mit etwa 5–8 cm Maschenweite wird über den Pflanzen gespannt. Während des Wachstums werden die Triebe immer wieder unter dem Netz hindurch nach außen gefädelt (das „Weben“), bis eine gleichmäßige, flache Fläche voller Triebspitzen entsteht. Jede dieser Spitzen bekommt dann in der Blüte optimales Licht statt im Schatten höherer Nachbartriebe zu stehen. Biologisch macht sich ScrOG dieselbe apikale Dominanz zunutze wie SoG, nur andersherum: Statt viele Einzelpflanzen mit je einer Spitze zu nutzen, wird bei ScrOG eine oder wenige Pflanzen dazu gebracht, viele gleichwertige Spitzen auszubilden — durch das Netz kombiniert mit gelegentlichem Topping.
Was du brauchst
- Ein Netz mit stabilen Maschen (oft aus Nylon oder Kunststoff), passend zur Zeltgrundfläche.
- Befestigung: Haken oder Ösen an den Zeltstangen bzw. dem Zeltdach, um das Netz straff und höhenverstellbar zu spannen.
- Etwas Geduld: ScrOG ist eine der zeitintensiveren Trainingsmethoden in der vegetativen Phase.
Aufbau Schritt für Schritt
- Netz spannen: in fixer Höhe über den Töpfen, meist 20–30 cm über der Substratoberfläche. Wichtig: straff spannen, damit es nicht durchhängt und die Triebe später nicht ungleichmäßig gestützt werden.
- Vegetativ füllen: die Pflanzen so lange wachsen lassen und per LST/Topping in die Breite bringen, bis sie das Netz von unten erreichen.
- Weben: Triebe, die durch das Netz stoßen, immer wieder waagerecht in die nächste Masche legen, bis das Netz gleichmäßig gefüllt ist. Dabei entsteht fast automatisch eine gute Belüftung zwischen den Trieben, weil sie sich nicht mehr gegenseitig überlagern.
- Blüte einleiten: wenn das Netz zu etwa 70–80 % gefüllt ist — der anschließende Streck füllt den Rest, ohne dass das Dach zu dicht oder ungleichmäßig wird.
- Unteren Bereich lichten: Blätter und schwache Triebe unterhalb des Netzes, die ohnehin kaum Licht bekommen, können entfernt werden (Lollipopping) — die Pflanze steckt ihre Energie dann komplett in das obere Dach.
Warum ScrOG den Ertrag steigert
Weil alle Blütenspitzen auf einer Ebene liegen, trifft das Licht sie gleichmäßig — es gibt kaum verschattete, schwache Untertriebe mehr, die nur kleine, luftige “Popcorn-Buds” ausbilden. Gleichzeitig verbessert das offene, flache Dach die Luftzirkulation zwischen den Blüten und senkt so das Schimmelrisiko, besonders bei feuchteanfälligen dichten Sorten. Nebeneffekt: Weil die Pflanze insgesamt niedriger bleibt (das Netz begrenzt die effektive Wuchshöhe), lässt sich auch ein kleines Zelt mit begrenzter Höhe optimal ausnutzen.
Das Weben endet spätestens in den ersten ein bis zwei Blütewochen. Danach werden die Triebe hart und lassen sich nicht mehr ohne Bruch verschieben. Wer zu spät webt, riskiert geknickte oder abgerissene Triebspitzen genau dann, wenn die Pflanze am empfindlichsten reagiert.
ScrOG vs. SoG
Oft verwechselt: ScrOG arbeitet mit wenigen Pflanzen, die per Netz breit gezogen werden. SoG (Sea of Green) setzt dagegen auf viele kleine Pflanzen ohne nennenswertes Training. Beide zielen auf ein gleichmäßiges Dach, gehen aber unterschiedliche Wege dorthin.
| Merkmal | ScrOG | SoG |
|---|---|---|
| Pflanzenzahl | wenige | viele |
| Training | intensiv (Netz weben) | kaum |
| veg-Dauer | länger | kurz |
| Aufwand pro Pflanze | hoch | gering |
| Fehlertoleranz | eher hoch (Zeit zum Nachsteuern) | eher gering |
Typische Anfängerfehler beim ScrOG
Der häufigste Fehler: Das Netz zu spät spannen oder erst dann, wenn die Pflanze schon hoch und wenig verzweigt gewachsen ist — dann fehlt die Zeit zum Weben. Ein zweiter Klassiker: zu früh auf 12/12 umstellen, bevor das Netz ausreichend gefüllt ist — der Streck reißt dann Lücken ins Dach, die sich nicht mehr schließen. Und drittens: das Netz zu locker spannen, sodass es unter dem Gewicht der Blüten durchhängt und die gleichmäßige Ebene verloren geht.
Kombiniere ScrOG mit frühem, leichtem Topping in den ersten Wochen. Das erzeugt von Anfang an mehr gleichwertige Haupttriebe, die dann schneller ein dichtes Netz füllen — statt auf eine einzelne dominante Spitze zu warten, die sich erst langsam verzweigen muss.
Zu beachten beim Eigenanbau
Da der legale Eigenanbau in Deutschland auf drei Pflanzen begrenzt ist, ist ScrOG hier oft die praktischere Wahl als SoG — wenige Pflanzen füllen per Netz die Fläche effizient, ganz ohne die rechtlichen Grenzen zu berühren. Details zu den Regeln im Überblick zum Eigenanbau. Auch bei der Sortenwahl fürs kleine Zelt lohnt sich ein Blick darauf, welche Sorten sich besonders gut netzweben lassen — buschig wachsende, seitentriebfreudige Genetik tut sich hier leichter als hochwachsende Sativas.
FAQ
Wie lange dauert die vegetative Phase bei ScrOG typischerweise? Länger als bei unbehandelten Pflanzen, da das Netz erst zu 70–80 % gefüllt sein muss, bevor die Blüte eingeleitet wird. Je nach Sorte und Zeltgröße können das mehrere Wochen mehr sein als bei einem einfachen, ungetrainten Grow — die Investition zahlt sich aber meist über den höheren Ertrag aus.
Kann ich ScrOG auch mit Autoflowern kombinieren? Grundsätzlich ja, allerdings ist die Zeit knapp: Autoflower haben eine feste, kurze Lebensspanne, weshalb das Netz zügig und ohne große Verzögerung gefüllt werden muss. Photoperiodische Sorten geben hier mehr Spielraum, weil man die vegetative Phase flexibel verlängern kann, bis das Netz bereit ist.
Fazit
ScrOG holt aus wenigen Pflanzen ein maximal gleichmäßiges Blätterdach heraus — perfekt für kleine Zelte und die Drei-Pflanzen-Grenze. Wichtig sind ein stabil gespanntes Netz, konsequentes Weben in der veg-Phase und der richtige Umstieg in die Blüte.
Ein sauber gewebtes ScrOG-Netz sieht in der Theorie einfach aus, in der Praxis stecken aber viele kleine Entscheidungen darin — von der Maschenweite bis zum genauen Umstiegszeitpunkt. Genau solche Feinheiten wollen wir im geplanten Video-Kursbereich Schritt für Schritt an echten Zelten zeigen.